Bahira und der ritterliche Bund: Zeichen vor dem Prophetentum

📅 15. Dezember 2025
👥 VAFA Team
🏛️ Vorträge
⏱️ 6 Min. Lesezeit

Diese Vortragszusammenfassung behandelt zwei wichtige Kapitel aus der Jugend des Propheten Muhammad ﷺ, basierend auf unserem wöchentlichen Sira-Vortrag vom 14. Dezember 2025. Die Grundlage bildet das Werk von Martin Lings.

Bahira der Mönch: Ein Kind mit besonderen Zeichen

Nach dem Tod von Abdul Muttalib wurde sein Enkel Muhammad von seinem Onkel Abu Talib versorgt. Abu Talib war arm. Deshalb musste Muhammad schon früh arbeiten. Er hütete Schafe – eine Tätigkeit, die ihn Verantwortung, Geduld und Bescheidenheit lehrte.

Eines Tages nahm Abu Talib ihn mit auf eine Handelsreise nach Syrien. Muhammad war damals etwa neun oder zwölf Jahre alt.

In der Nähe von Bosra lebte ein christlicher Mönch namens Bahira. Dieser Mönch kannte alte Schriften über einen kommenden Propheten. Und an diesem Tag beobachtete er etwas Außergewöhnliches.

Die Wolke und der Baum

Eine Wolke schwebte über der Karawane. Doch sie spendete nicht allen Reisenden Schatten – nur bestimmten Personen. Als die Karawane anhielt, blieb auch die Wolke stehen. Ein Baum neigte seine Zweige, um zusätzlichen Schatten zu geben.

Bahira wusste: Solche Zeichen erscheinen nur bei besonderen Menschen.

Er lud die ganze Karawane zum Essen ein. Doch Muhammad war zurückgelassen worden, um die Tiere zu bewachen – er war schließlich noch ein Kind und sollte arbeiten. Bahira jedoch bestand darauf: „Holt auch den Jungen.“

Die Erkennung

Als Muhammad kam, erkannte Bahira sofort etwas Besonderes an ihm: sein Gesicht, sein Verhalten, seine Ruhe und Würde. Während des Essens stellte Bahira ihm viele Fragen. Dann bat er ihn, seinen Rücken zu zeigen.

Zwischen seinen Schultern sah Bahira das Siegel der Prophetenschaft – ein körperliches Zeichen, das in den alten Schriften beschrieben war.

Die Warnung

Bahira warnte Abu Talib eindringlich: „Bring den Jungen schnell zurück nach Mekka und beschütze ihn. Wenn manche Menschen erkennen, wer er ist, könnten sie ihm schaden.“

Damit war klar: Schon als Kind wurde Muhammad als zukünftiger Prophet erkannt – nicht von Muslimen, sondern von einem christlichen Mönch, der die alten Schriften kannte.

Der ritterliche Bund: Gerechtigkeit vor dem Islam

Nach der Rückkehr aus Syrien lebte Muhammad wieder ruhig in Mekka. Sein Onkel sorgte dafür, dass er Bogenschießen lernte, Grundkenntnisse im Kampf bekam und Disziplin und Mut entwickelte. Er nahm nicht aktiv an Kriegen teil, aber er half den Seinen – etwa indem er Pfeile sammelte.

Zu dieser Zeit gab es den sogenannten Frevlerkrieg. Ein Mord hatte einen langen Stammeskonflikt ausgelöst. Viele Jahre Streit, kaum Nutzen, viel Leid. Die Menschen merkten: Das Stammesrecht ist ungerecht. Schuldige kommen davon, Schwache leiden.

Der fremde Kaufmann

Dann geschah etwas Entscheidendes. Ein fremder Kaufmann aus dem Jemen wurde in Mekka betrogen. Ein mächtiger Mann von den Quraysh nahm seine Waren, zahlte aber nicht.

Der Händler hatte keine Familie in Mekka, keinen Beschützer, keine Macht. Er stellte sich öffentlich hin und rief: „Wo ist die Gerechtigkeit in Mekka?“

Das bewegte viele Menschen.

Die Gründung von Hilf al-Fudul

Sie versammelten sich im Haus von Abdullah ibn Jud’an und gründeten einen Bund der Gerechtigkeit: Hilf al-Fudul – den ritterlichen Bund.

Ihr Schwur lautete: Immer auf der Seite des Unterdrückten stehen, egal ob Fremder oder Quraysh. Ungerechtigkeit niemals akzeptieren.

Muhammad war dabei – noch jung, aber bereits mit einem starken Gerechtigkeitssinn.

Das Urteil des Propheten über diesen Bund

Später, als Prophet, sagte Muhammad ﷺ über diesen Bund: „Dieser Bund war mir lieber als eine Herde roter Kamele. Auch im Islam würde ich ihn wieder unterstützen.“

Rote Kamele galten damals als besonders wertvoll. Dass der Prophet diesen Bund höher schätzte als materiellen Reichtum, zeigt, wie wichtig ihm Gerechtigkeit war.

Bemerkenswert ist auch: Er lobte diesen Bund, obwohl er vor dem Islam geschlossen wurde. Gerechtigkeit ist immer richtig – unabhängig davon, wann oder von wem sie praktiziert wird.

Was beide Kapitel gemeinsam zeigen

Im ersten Kapitel sehen wir, dass Muhammad schon als Kind besondere Zeichen trug. Der Mönch Bahira erkannte ihn als zukünftigen Propheten und warnte davor, ihn zu gefährden.

Im zweiten Kapitel lernen wir, dass Muhammad schon vor dem Islam für Gerechtigkeit stand. Er nahm am ritterlichen Bund teil, der Schwache schützte und Ungerechtigkeit bekämpfte.

Beide Kapitel zeigen Muhammad vor seiner Berufung zum Propheten: ehrlich, gerecht, beschützt von Allah und für eine große Aufgabe vorbereitet.

Lehren für uns

Allah bereitet große Menschen vor. Schon als Kind wurde der Prophet Muhammad beschützt und erkannt, noch bevor er selbst wusste, was auf ihn zukommt.

Gute Menschen erkennt man an ihrem Charakter. Bahira erkannte Muhammad nicht wegen Macht oder Reichtum, sondern wegen seines Verhaltens und seiner Ausstrahlung.

Gerechtigkeit ist wichtiger als Stammeszugehörigkeit. Beim ritterlichen Bund ging es nicht darum, wer aus welcher Familie kam, sondern wer Unrecht erlitten hatte.

Man soll Schwachen helfen, auch wenn sie fremd sind. Der Prophet Muhammad stand auf der Seite eines fremden Kaufmanns aus dem Jemen. Das zeigt wahre Menschlichkeit.

Gutes bleibt gut, auch wenn es vor dem Islam geschah. Der Prophet lobte den Bund selbst später im Islam. Gerechtigkeit ist zeitlos.

Ein passender Koranvers

„Allah gebietet Gerechtigkeit, Güte und Großzügigkeit gegenüber den Verwandten. Und Er verbietet das Schädliche, das Verwerfliche und die Ungerechtigkeit.“ (Sure An-Nahl, 16:90)

Dieser Vers passt perfekt zu beiden Kapiteln: Allah liebt Gerechtigkeit, Allah liebt gutes Verhalten, Allah hasst Ungerechtigkeit. Genau das hat der Prophet Muhammad schon vor seiner Prophetenschaft gelebt.

Ein passender Hadith

Der Prophet Muhammad ﷺ sagte: „Der Beste unter euch ist derjenige mit dem besten Charakter.“ (Überliefert bei Al-Bukhari)

Nicht Stärke macht einen Menschen groß. Nicht Reichtum. Sondern Charakter, Ehrlichkeit und Gerechtigkeit. Muhammad war genau dafür bekannt – schon als Jugendlicher.

Hilf al-Fudul heute: Unsere Obdachlosenhilfe

Was hat das mit uns zu tun? Im Vortrag wurde ein wichtiger Gedanke angesprochen: Auch unsere Obdachlosenhilfe ist im Grunde so etwas wie ein Hilf al-Fudul.

Die Obdachlosen in unserer Gesellschaft sind wie der fremde Kaufmann aus dem Jemen damals in Mekka: Menschen ohne Beschützer, ohne Macht, ohne Familie, die für sie einsteht. Sie gehören zu keinem „Stamm“, der sich um sie kümmert. Und genau deshalb ist es unsere Aufgabe, für sie da zu sein.

Der ritterliche Bund fragte nicht: „Gehört dieser Mensch zu uns?“ Er fragte: „Wurde diesem Menschen Unrecht getan? Braucht er Hilfe?“ Genau diese Haltung versuchen wir bei unserer Obdachlosenhilfe zu leben. Wir fragen nicht nach Herkunft, Religion oder Status. Wir sehen Menschen in Not – und handeln.

Wenn der Prophet Muhammad ﷺ sagte, er würde den Hilf al-Fudul auch im Islam wieder unterstützen, dann zeigt das: Diese Art von Engagement ist nicht etwas, das wir „nebenbei“ machen. Es ist Teil unseres Glaubens. Es ist das, was der Prophet selbst vorgelebt hat – schon bevor er Prophet wurde.

Abschlussbotschaft

Diese Kapitel zeigen uns: Man kann jung sein und trotzdem gerecht handeln, ehrlich sein, für andere einstehen. Allah sieht unsere Herzen und unser Verhalten. Wenn wir gerecht sind, stehen wir auf der Seite des Propheten Muhammad ﷺ.

Ausblick

In der nächsten Woche werden die Kapitel „Fragen zur Heirat“ und „Der Haushalt“ behandelt (Seiten 52-61). Diese Kapitel sind besonders relevant – sowohl für diejenigen, die noch nicht verheiratet sind, als auch für jene, die es bereits sind.

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