
Diese Vortragszusammenfassung behandelt das Kapitel „Fragen zur Heirat“ aus der Lebensgeschichte des Propheten Muhammad ﷺ, basierend auf unserem wöchentlichen Sira-Vortrag vom 21. Dezember 2025. Die Grundlage bildet das Werk von Martin Lings, ergänzt durch Koranverse und authentische Hadithe.
Muhammad als junger Erwachsener
Muhammad ﷺ war über 20 Jahre alt und begann, selbstständig zu arbeiten. Er begleitete Händler auf Reisen und übernahm Verantwortung für ihre Waren. Durch seine Ehrlichkeit und seinen Einsatz gewann er das Vertrauen vieler Menschen.
Sein Beiname wurde den Mekkanern bekannt: Al-Amin – der Vertrauenswürdige. Ein Titel, den man sich nicht selbst gibt, sondern der einem von der Gemeinschaft verliehen wird. Die Menschen Mekkas erkannten in ihm jemanden, dem man blind vertrauen konnte.
Ein erster Heiratswunsch – und eine Absage
Muhammad ﷺ hatte Zuneigung zu Umm Hani (Fakhita), der Tochter seines Onkels Abu Talib. Er bat um ihre Hand, doch Abu Talib lehnte ab. Nicht aus persönlicher Ablehnung oder weil er Muhammad nicht schätzte – im Gegenteil. Er lehnte ab aus Sorge um die finanzielle Lage seines Neffen.
Diese Situation mag für uns heute sehr vertraut klingen. Viele junge Muslime kennen diese Herausforderung: den Wunsch zu heiraten, aber noch nicht die Mittel zu haben, eine Familie zu versorgen. Der Prophet ﷺ selbst stand vor genau diesem Problem. Er hatte noch nicht genug Geld, noch nicht die nötige Verantwortung übernommen, und wollte erst für sich selbst sorgen können.
Im Islam gehören zur Ehe auch Verantwortung und Versorgung. Das bedeutet nicht, dass man reich sein muss. Aber es zeigt, dass der Prophet ﷺ diese Verantwortung ernst nahm.
Khadija bint Khuwaylid: Eine außergewöhnliche Frau
Khadija war eine erfolgreiche Geschäftsfrau – reich, klug und in Mekka hoch respektiert. Sie war verwitwet und führte ihre Geschäfte selbstständig. Sie beschäftigte Männer, die in ihrem Auftrag Handel betrieben.
Ihr Stellenwert in der islamischen Geschichte kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Bis zum Lebensende des Propheten ﷺ blieb Khadija die Ehefrau mit dem höchsten Rang in seinem Herzen – obwohl er nach ihrem Tod weitere Frauen heiratete. Das zeigt, wie tief diese Beziehung war. Khadija ist ein Vorbild für alle muslimischen Frauen.
Die Handelsreise nach Syrien
Aufgrund seines Rufes als Al-Amin wählte Khadija Muhammad ﷺ für eine Handelsreise nach Syrien aus. Sie bot ihm sogar den doppelten Lohn an – ein Zeichen ihres Vertrauens in seine Fähigkeiten.
Während der Reise geschah etwas Bemerkenswertes. Khadijas Diener Maysara beobachtete, wie Muhammad ﷺ von besonderen Zeichen begleitet wurde. Ein Mönch namens Nestor sagte zu Maysara: „Dieser Mann ist ein Prophet.“
Die Reise war wirtschaftlich sehr erfolgreich. Aber viel wichtiger war: Muhammads Charakter beeindruckte Khadija zutiefst. Maysara berichtete ihr alles, was er gesehen hatte.
Der Heiratsantrag
Khadija ließ über ihre Freundin Nufaysa vorsichtig anfragen, ob Muhammad ﷺ an eine Ehe denke. Seine Antwort war ehrlich und bescheiden: „Ich habe nicht die Mittel dazu.“
Als ihm Khadija vorgeschlagen wurde, willigte er ein – nicht aus Gier nach ihrem Reichtum, sondern aus Vertrauen in diese außergewöhnliche Frau.
Khadija sagte zu ihm die bedeutsamen Worte: „Ich liebe dich wegen deiner Ehrlichkeit, deines Charakters und deiner Redlichkeit.“
Nicht sein Aussehen. Nicht sein Reichtum – den hatte er ohnehin nicht. Sondern sein Charakter. Das war der Grund, warum diese kluge, erfolgreiche Frau ihn heiraten wollte.
Die Eheschließung
Die Ehe wurde geschlossen mit einer Brautgabe von 20 Kamelstuten. Muhammad ﷺ war 25 Jahre alt, Khadija war 40. Der Altersunterschied von 15 Jahren spielte keine Rolle – was zählte, war die gegenseitige Wertschätzung.
Diese Ehe wurde eine der gesegnetsten Verbindungen der Geschichte. Aus ihr gingen alle Kinder des Propheten hervor, die das Erwachsenenalter erreichten. Khadija stand ihm bei, als die Offenbarung begann. Sie war die erste, die an seine Botschaft glaubte. Sie unterstützte ihn mit ihrem Vermögen und ihrer Liebe durch die schwierigsten Jahre.
Was wir daraus lernen
Diese Geschichte enthält zeitlose Lehren für junge Muslime:
Muhammad ﷺ wartete mit der Ehe, bis er Verantwortung tragen konnte. Er drängte nicht, er war geduldig, er arbeitete an sich.
Khadija wählte ihn wegen seines Charakters, nicht wegen Reichtum. Sie sah über äußere Umstände hinweg und erkannte den wahren Wert eines Menschen.
Ihre Ehe begann mit Respekt, Vertrauen und Ehrlichkeit – nicht mit oberflächlicher Verliebtheit.
Ein Koranvers über die Ehe
Allah sagt im Koran:
„Und zu Seinen Zeichen gehört, dass Er euch aus euch selbst Gattinnen erschaffen hat, damit ihr bei ihnen Ruhe findet, und Er hat zwischen euch Liebe und Barmherzigkeit gesetzt.“ (Sure Ar-Rum, 30:21)
Die Ehe ist im Islam kein Zwang, sondern ein Ort der Ruhe. Sie soll Liebe und Barmherzigkeit bringen – nicht Unruhe und Stress.
Hadithe über die Ehe
Der Prophet ﷺ sagte: „Die beste Ehe ist die, die am einfachsten ist.“ (Überliefert bei Al-Hakim)
Der Islam liebt keine Prahlerei bei Hochzeiten, keine übertriebenen Forderungen, keine Verschwendung. Einfachheit und Ehrlichkeit sind der Weg.
Ein weiterer wichtiger Hadith: Der Prophet ﷺ sagte: „Eine Frau wird aus vier Gründen geheiratet: wegen ihres Reichtums, ihrer Abstammung, ihrer Schönheit oder ihres Glaubens. Wähle die mit dem Glauben, sonst mögen deine Hände mit Staub bedeckt werden.“ (Überliefert bei Al-Bukhari und Muslim)
Charakter und Glaube bringen wahres Glück – genau wie bei Khadija und Muhammad ﷺ. Schönheit vergeht, Reichtum kann schwinden. Aber ein guter Charakter und aufrichtiger Glaube bleiben.
Der Maßstab eines Menschen
Der Prophet ﷺ sagte: „Der Beste unter euch ist der mit dem besten Charakter.“ (Überliefert bei At-Tirmidhi)
Das war der Maßstab, den Khadija anlegte. Und das sollte der Maßstab sein, den wir alle anlegen – bei der Wahl eines Ehepartners und bei der eigenen Entwicklung.
Geduld vor der Ehe
Nicht alles, was erlaubt ist, ist sofort erreichbar. Der Prophet ﷺ sagte sinngemäß: „Wer Allah um etwas bittet und Geduld zeigt, dem gibt Allah einen besseren Ersatz.“ (Nach Bukhari)
Geduld formt den Menschen, besonders in jungen Jahren. Wer wartet und an sich arbeitet, dem öffnet Allah Türen, die er sich nicht hätte vorstellen können.
Der Schutz des Herzens
Allah sagt: „Sprich zu den gläubigen Männern und Frauen, sie sollen ihre Blicke senken und ihre Keuschheit wahren.“ (Sure An-Nur, 24:30-31)
Das Senken des Blicks ist kein Verlust – es ist Schutz für das Herz. Der Islam möchte, dass Liebe klar beginnt und rein wächst. Nicht durch heimliche Blicke und verbotene Beziehungen, sondern durch den richtigen Weg: mit Respekt, mit Familie, mit Segen.
Abschlussbotschaft
Liebe im Islam beginnt nicht mit Berührung, sondern mit Respekt. Nicht mit Heimlichkeit, sondern mit Baraka (Segen). Wer Allah an die erste Stelle setzt, dem ordnet Allah auch das Herz.
Die Ehe von Muhammad ﷺ und Khadija war kein Zufall. Sie war ein Geschenk Allahs – an zwei Menschen, die es verdient hatten, weil sie auf das Richtige geachtet hatten.
Diese Geschichte zeigt uns: Ehe beginnt mit Respekt. Liebe wächst durch Charakter. Allah segnet Beziehungen, die auf Ehrlichkeit gebaut sind.
Ausblick
In der nächsten Woche wird das Kapitel „Der Haushalt“ behandelt – über das gemeinsame Leben von Muhammad ﷺ und Khadija nach der Hochzeit.



